Vom Garagen-Start-up zum boersennotierten Launch-Anbieter
Peter Beck war Werkzeugmacher bei Fisher & Paykel, als er 2006 in Neuseeland Rocket Lab gruendete. Schon der erste Suborbitaltest Atea-1 (2009) machte Rocket Lab zum ersten privaten Raumfahrtunternehmen der Suedhalbkugel. Der Durchbruch kam mit der Electron, einer 17 Meter hohen Kleinrakete fuer rund 300 Kilogramm Nutzlast. Seit dem ersten erfolgreichen Orbitalflug "Still Testing" im Januar 2018 hat Electron mehr als 60 Missionen absolviert und gehoert damit zu den meistgenutzten Kleinraketen der Welt.
Die Verlagerung des Headquarters von Auckland nach Long Beach (Kalifornien) erfolgte 2013, weil Beck erkannte: Die NASA, das US-Militaer und kommerzielle Kunden zahlen besser, wenn ein Anbieter US-Domizil hat. Die Produktion fand jedoch weiter in Auckland statt. Heute betreibt Rocket Lab Fabriken an drei Standorten: Long Beach (Hauptsitz, Neutron-Entwicklung), Auckland (Electron-Produktion und Triebwerkstests) sowie eine Komponentenfabrik in Albuquerque (uebernommen mit SolAero 2022).
Neutron — die Antwort auf Falcon 9
Mit der Neutron will Rocket Lab in die Mittelklasse. Die zweistufige Rakete soll 13 Tonnen in den Low Earth Orbit bringen, die erste Stufe ist wiederverwendbar und landet zurueck am Startplatz. Erstflug ist fuer Mitte 2026 geplant — Rocket Lab waere damit erst der zweite kommerzielle Anbieter weltweit, der eine wiederverwendbare Orbitalrakete betreibt. Bereits 2024 sicherte sich das Unternehmen einen Platz im Lockheed-Northrop-NSSL-Phase-3-Programm der US Space Force.
Technologisch ist Neutron mutig: Die Rakete besteht aus Carbon-Composite statt Aluminium, was Gewicht spart, aber Produktion komplex macht. Die sieben Archimedes-Triebwerke der ersten Stufe nutzen Methan-Sauerstoff-Antrieb (aehnlich SpaceX Raptor) — fuer wiederholten Einsatz besser geeignet als Kerosen. Der erste vollintegrierte Triebwerkstest fand im August 2024 erfolgreich statt. Beck hat oeffentlich erklaert, dass Rocket Lab Neutron pro Mission fuer rund 50–55 Mio. USD anbieten will — deutlich unter Falcon 9.
Mehr als nur Raketen: Space Systems
Beck wiederholt seit Jahren: "Wir sind kein Launch-Unternehmen, wir sind ein End-to-End-Space-Company." Die Space-Systems-Sparte liefert Satellitenbusse (Photon-Plattform), Solarpanels (durch Zukauf von SolAero), Reaktionsraeder und Sternensensoren. Rocket Lab baut die beiden Photon-Sonden der NASA-Mission ESCAPADE zum Mars, hat den CAPSTONE-Cubesat zum Mond gebracht und liefert Hardware fuer Mars Sample Return.
Besonders strategisch wichtig: Im Oktober 2024 gewann Rocket Lab einen Auftrag der Space Development Agency ueber 515 Mio. USD fuer 18 Tranche-2-Satelliten. Das ist der bislang groesste Einzelauftrag der Firmengeschichte und macht Rocket Lab zum direkten Satellitenkonkurrenten von Lockheed Martin und Northrop Grumman im Defense-Bereich.
Finanzen und Defense-Pivot
2024 und 2025 schloss Rocket Lab grosse Hypersonic-Test-Vertraege mit dem US-Verteidigungsministerium ab — der HASTE-Auftrag (Hypersonic Accelerator Suborbital Test Electron) macht inzwischen einen wachsenden Umsatzanteil aus. Der Quartalsumsatz hat sich von 50 Mio. USD (Q1 2023) auf ueber 130 Mio. USD (Q3 2025) fast verdreifacht. Die Bruttomarge ist positiv, der Konzern ist aber wegen der Neutron-Investitionen weiter im operativen Verlust.
Die Liquiditaet ist solide: Stand Ende 2025 verfuegt Rocket Lab ueber rund 500 Mio. USD an Cash und Wertpapieren. Damit ist der Neutron-Erstflug finanziert — selbst wenn er sich um 12 Monate verzoegert. Analysten erwarten den positiven freien Cashflow ab 2027, wenn Neutron sechs- bis achtmal pro Jahr fliegt.
Warum Rocket Lab fuer Anleger interessant ist
Rocket Lab ist die einzige reine Pure-Play-Alternative zu SpaceX, die boersennotiert ist. Wer SpaceX im Depot moechte, kommt um RKLB derzeit kaum herum. Das Risiko liegt klar in der Neutron-Entwicklung: Gelingt der Erstflug 2026, kann das Unternehmen Falcon-9-Konkurrent werden. Schlaegt er fehl, verzoegert das den geplanten Cashflow-Break-even deutlich.
Wichtig fuer Anleger: Rocket Lab ist eine Wachstumsaktie ohne stabile Dividende. Die Volatilitaet ist hoch (Tagesschwankungen von 5–10 Prozent normal), Newsflow zu Neutron, Defense-Auftraegen und Quartalsergebnissen treibt den Kurs stark. Eine Position in RKLB sollte deshalb nur einen kleineren Teil eines diversifizierten Space-Portfolios ausmachen — kombiniert mit stabileren Werten wie Lockheed Martin oder einem Space-ETF.