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Tragödie NASA USA

Challenger STS-51-L

Die Challenger-Katastrophe — 28. Januar 1986

"The future doesn't belong to the fainthearted; it belongs to the brave. (Ronald Reagan, Gedenkrede)"

Am 28. Januar 1986 zerfiel das Space Shuttle Challenger 73 Sekunden nach dem Start. Die sieben Astronauten an Bord — darunter die erste Lehrerin im All, Christa McAuliffe — überlebten nicht. Das Unglück schockierte die Welt und legte die NASA für fast drei Jahre lahm.

Startdatum28. Januar 1986, 11:38 Uhr EST
OrtKennedy Space Center, Florida
Besatzung7 Personen (alle ums Leben gekommen)
UrsacheO-Ring-Versagen am rechten Feststoffbooster
Temperatur Start-2°C (ungewöhnlich kalt)
Shuttle-Pause32 Monate (bis Sept. 1988)
Rogers CommissionUntersuchungskommission unter William Rogers

Die Warnzeichen lagen vor. Morton Thiokol, der Hersteller der Feststoffraketen-Booster, hatte in der Nacht vor dem Start intern diskutiert. Ingenieure, darunter Roger Boisjoly, warnten: Bei Temperaturen unter 11°C wurden die O-Ringe spröde — Gummidichtungen, die die Verbindung zwischen Boostersegmenten abdichteten. Die Nacht vor dem Start: -2°C. Boisjoly schrieb in sein Tagebuch, er erwarte eine Katastrophe.

73 Sekunden

Um 11:38:00 Uhr EST startete Challenger. 73 Sekunden später versagte der O-Ring am rechten Festkörperbooster. Eine Gasflamme fraß sich durch die Außentankverbindung. Der externe Tank zerbrach, die Druckwelle zerstörte die Orbiter-Struktur. Challenger zerfiel in 14 km Höhe über dem Atlantik. Die Crew-Kabine fiel intakt 3 km tief und schlug nach 2 Minuten 45 Sekunden auf dem Wasser auf. Spätere Untersuchungen zeigten, dass mindestens drei Besatzungsmitglieder noch Sekunden nach dem Zerfall bei Bewusstsein waren.

Die Rogers Commission

Präsident Reagan setzte eine unabhängige Kommission ein. Richard Feynman, Nobelpreisträger für Physik, führte die berühmteste Demonstration der Untersuchungsgeschichte durch: Er tauchte ein Stück O-Ring-Gummi in Eiswasser und zeigte, dass es seine Elastizität verlor. NASA hatte bekannt, dass die O-Ringe eine Schwachstelle waren — und die Mission trotzdem durchgeführt. Die Kommission rügte die NASA-Kultur: Entscheidungsdruck und institutionelles Schweigen hatten Sicherheitsbedenken unterdrückt.

Erbe: Sicherheitskultur

Das Challenger-Desaster veränderte die Raumfahrt-Sicherheitsphilosophie grundlegend. Das Shuttle flog 32 Monate nicht. NASA reformierte Kommunikationsstrukturen, Entscheidungsprozesse und Sicherheitsaudits — Reformen, die 2003 bei der Columbia-Katastrophe tragischerweise wieder als unzureichend galten.

Videos

Challenger-Katastrophe: Was wirklich passierte (Doku)

Richard Feynman und der O-Ring (Rogers Commission)

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Häufige Fragen

Was waren die Ursachen der Challenger-Katastrophe? +
Der unmittelbare Auslöser war ein versagender O-Ring am rechten Feststoffraketen-Booster. Die ungewöhnlich tiefen Temperaturen am Starttag (-2°C) machten den Gummiring spröde, sodass er nicht mehr abdichtete. Eine Gasflamme fraß sich durch die Verbindung zum externen Tank, der daraufhin zerbrach. Die Rogers Commission stellte fest, dass NASA-interne Entscheidungskultur Sicherheitsbedenken systematisch unterdrückt hatte.
Wer war Christa McAuliffe? +
Christa McAuliffe war eine Gymnasiallehrerin aus New Hampshire, ausgewählt aus über 11.000 Bewerbern für das "Teacher in Space"-Programm. Sie sollte aus dem All unterrichten und Millionen Schulkinder live ansprechen. Ihr Tod war ein besonderer Schock, da ihr Start in vielen Schulen live übertragen wurde. Sie wurde posthum mit der Congressional Space Medal of Honor ausgezeichnet.
Überlebte jemand die Challenger-Katastrophe? +
Nein. Alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben: Francis Scobee, Michael Smith, Ronald McNair, Ellison Onizuka, Judith Resnik, Gregory Jarvis und Christa McAuliffe. Spätere Untersuchungen ergaben, dass die Crew-Kabine den ersten Zerfall strukturell überstand und intakt ins Meer fiel. Mindestens drei Astronauten betätigten noch nach der Explosion Notfall-Sauerstoffpacks.
Was änderte sich nach der Challenger-Katastrophe? +
Das Space-Shuttle-Programm war 32 Monate lang gestoppt. Die Rogers Commission empfahl grundlegende Reformen: Die O-Ring-Konstruktion wurde überarbeitet, NASA-Kommunikationsstrukturen wurden verändert, und Ingenieure erhielten mehr Autorität, Starts abzubrechen. Tragischerweise wurde die gleiche Organisationskultur, die zu Challenger führte, bei der Columbia-Katastrophe 2003 erneut als Problem identifiziert.

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