Boeing in der Raumfahrt — was nur wenige wissen
Boeing kennt jeder als Flugzeughersteller. Wenige wissen, dass Boeing eines der wichtigsten Space-Unternehmen der USA ist. Boeing war Generalunternehmer der Internationalen Raumstation, baut die Kernstufe der Mondrakete SLS, entwickelt Starliner als zweites bemanntes US-Raumschiff neben Crew Dragon und ist Marktfuehrer bei militaerischen Satelliten und Atomraketen.
SLS — NASAs Mondrakete
Boeing ist Generalunternehmer der Space Launch System (SLS)-Kernstufe, die NASAs Artemis-Mondprogramm antreibt. Artemis 1 (November 2022) war ein Erfolg, Artemis 2 ist fuer 2026 geplant und soll vier Astronauten zum Mond bringen. Die SLS ist mit 35.000 USD pro Kilogramm Nutzlast extrem teuer, was Boeing immer wieder Kritik vom Kongress einbringt — aber das Programm laeuft.
Starliner — die Sorgenkind-Kapsel
2014 vergab NASA zwei Vertraege fuer kommerzielle Crew-Kapseln: SpaceX bekam 2,6 Mrd. USD fuer Crew Dragon, Boeing 4,2 Mrd. USD fuer Starliner. Crew Dragon fliegt seit 2020 routinemaessig zur ISS — Starliner kaempfte mit Verzoegerungen. Der bemannte Erstflug im Juni 2024 endete katastrophal: Helium-Lecks und Triebwerksaussfaelle zwangen NASA, die Astronauten Butch Wilmore und Suni Williams via SpaceX zurueckzuholen. Starliner kehrte im September 2024 unbemannt zur Erde zurueck. Das Programm steht unter Beobachtung.
Defense, GBSD und Satelliten
Boeings Defense-Sparte ist groesser als die Space-Sparte und stabiler. GBSD (Ground Based Strategic Deterrent), die naechste Generation US-Atomraketen, wird von Northrop Grumman gefuehrt — aber Boeing liefert Komponenten. Bei militaerischen Satelliten (WGS-Kommunikationssatelliten, GPS-III) ist Boeing direkt Auftragnehmer.
Wieso die Aktie trotzdem spannend ist
Boeing ist ein Wendekandidat. Unter neuem CEO Kelly Ortberg laeuft eine umfassende Restrukturierung. Wer langfristig an die Rueckkehr von Boeing als Industrie-Champion glaubt, findet bei aktuellen Bewertungen ein interessantes Risk-Reward-Profil. Space ist dabei nur ein Teil — aber ein strategisch wichtiger.
Die Bilanzsituation ist allerdings angespannt: Boeing hat ueber 50 Mrd. USD Nettoschulden und negativen freien Cashflow. Die Kapitalerhoehung im Oktober 2024 ueber 21 Mrd. USD reichte aus, um die Liquiditaet zu stabilisieren — aber der Sanierungsweg ist lang. Wer Boeing kauft, kauft Hoffnung auf Turnaround zu einer Bewertung, die deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegt.
Boeings Joint Ventures im Space
Ein oft uebersehener Punkt: Boeing ist Mit-Eigentuemer von ULA (United Launch Alliance) gemeinsam mit Lockheed Martin. ULA betreibt die Atlas V und die neue Vulcan Centaur-Rakete, die seit Januar 2024 fliegt. ULA hat einen NSSL-Phase-3-Rahmenvertrag der US Space Force ueber etwa 5,4 Mrd. USD bis 2034 — diese Umsaetze fliessen anteilig an Boeing. ULA ist seit Jahren auf Verkauf, mit Sierra Space und Cerberus Capital als bekannten Interessenten.
Ein anderer strategischer Asset: Boeings 49-Prozent-Beteiligung an Aurora Flight Sciences, einem Autonomous-Systems-Spezialisten. Aurora arbeitet an autonomen Lufttaxis und an Defense-Drohnen. Diese Beteiligung gibt Boeing einen Fuss in der naechsten Generation von Autonomous Defense — relevant fuer die Space Force, die zunehmend KI-gesteuerte Satelliten ordert.